Discgolf in Hannover – eine Chronik 1986-2016

Geburt und Wiedergeburt

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Hartl beim Putten in Hamburg anno 1990

Discgolf gibt es eigentlich schon immer bei den Funaten. Wenn auch lange Jahre nur als Ausgleichs-Wochenend-Spaß für die Rennerei beim Ultimate.
Zu Beginn gab es noch einige “Kommunikationsschwierigkeiten” mit den im US-Versandhandel aufwändig besorgten Scheiben: Bei einem Ausflug über Wald und Wiesen war man schwer irritiert, dass die Scheiben geradezu widerborstig nach links abbogen und auch sonst ein schwer kontrollierbares Eigenleben entwickelten. Nachdem diese Phase überwunden war, fand man Funaten schon bald als Gäste bei Discgolf-Turnieren. Die erste “richtige” Turnierteilnahme war 1990 in Hamburg, die teilnehmenden Funaten waren nicht zu überhören… das waren die mit den klimpernden Taschen – wie es halt so klingt, wenn jeder mit 5 Flaschen Bier auf Runde geht. (Dieses Turnier gewann übrigens ein gewisser Hartl Wahrmann.)

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Siegerehrung Overall-DM 1993

Wie in der Vereins-Chronik zu lesen, gab es schon Anfang der 90er (1991, 92 und 93) die Overall-DMs in Hannover, die auch einen Discgolf-Part im Georgengarten umfassten, bei denen u.a. auch der damalige (und irgendwie auch heute noch legendäre) internationale Spitzenspieler Hartl Wahrmann zu Gast war.
Der Georgengarten, der damals noch nicht annähernd so ausgelastet war wie heute, gilt damit als der hanöversche „Ur-Parcours“. Das heute noch fast unveränderte Kurs-Layout müsste demnach auch bald sein 30jähriges feiern.

Eine große, organisierte, engagierte Discgolf-Community entstand allerdings nicht. Im Nachhinein lässt sich leicht sagen „Kein Wunder“, gab es doch all die Jahre keinen fest installierten Parcours in Hannover.

Zocken im Georgengarten

Zocken im Georgengarten

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Flyer Expo Open 2006

Dennoch waren ab ca. 1997/98 viele nicht ausgelastete Ultimater regelmäßig im Georgengarten unterwegs. Zuerst Maddin mit Tom Bierwirth, der widerum regelmäßig bei Turnieren in ganz Deutschland an den Start ging (von Braunschweig bis Söhnstetten, meist zusammen mit Franky und Michel aus Braunschweig). Ein bisserl später dann Tom sowie Clemens Köbe, die ganz viele Leute der frischen Ultimate-Generation von ca. 2002 (ff.) mit sich zogen.
Und Tom war es auch, der bei einer Expo-Revival-Party anno 2005 den wundervollen Expo-Park Süd entdeckte und (zurecht) als für Discgolf perfekte Anlage erkannte. Und es kam, wie es immer so bei den Funaten kommt: Wenn man schon wo mitzockt, dann macht man doch gleich auch eigene Turniere. So begab es sich im März 2006, dass sich im Expo Park Süd die norddeutsche Discgolfgemeinde versammelte, um auf 4×9 Bahnen den/die besten zu suchen. Das Ganze wiederholte sich für eine zweite Ausgabe im Dezember 2006. Und welch illustre Namen in der Siegerliste standen: Platz 1 ging an Andel Thöne, Platz 3 an Greg Marter und auf Platz 2 landete ein verdammt (damals) kleiner Hosenscheißer aus Bremen: Simon Lizotte. (Anekdote am Rand: Simon hat die Expo Open trotz mehrmaliger Teilnahme bis heute nicht gewonnen. Bei seiner letztmaligen Teilnahme 2012 wurde er wieder „nur“ Zweiter, was nach wie vor sein letzter Nicht-Sieg auf deutschem Boden sein müsste!)

Der Expo Park Süd (zusammen mit dem Nachbar Parc Agricole) ist bis heute der Austragungsort eines anspruchsvollen, in ganz Deutschland beliebten Turniers. Trotz bundesweiter Top-Resonanz auf das Gelände sowie mehrerer Initiativen konnte die Stadt Hannover bis heute nicht überzeugt werden, dort einen permanenten Parcours zu installieren. Die Aufwertung des immer wunderbar gepflegten, bisher aber kaum genutzten, Areals liegt auf der Hand – alleine die Lobby fehlt.

Das wichtigste Jahr für den großen Discgolf-Durchbruch in Hannover ist das Jahr 2010! Die Wiedergeburt!
Einmal, weil ab dem Herbst diesen Jahres die Expo Open wieder regelmäßig ausgerichtet wird und Discgolf somit wieder einen festen Platz im Vereinskalender hat.

Zum anderen, weil es seitdem einen festinstallierten Parcours mit 15 Körben im Grünzug Roderbruch gibt. Bereits frühzeitig hat uns die Stadt in die Planungen für einen Discgolf-Parcours eingeweiht und uns um unsere „Expertise“ gebeten. Unsere Reaktion war eher „Roderwas?“, hatte doch noch nie jemand von uns von dieser Grünfläche gehört. Nach Begehung des damals von Hundekot überzogenen Parks war irgendwie klar, dass uns ca. ein Dutzend besser geeignete Flächen in Hannover einfallen… aber das Gelände war nunmal gesetzt. Deshalb: Besser ein permanenter Parcours an so einem Ort als gar keiner!

Sieger der Roderbruchlandung 2012

Sieger der Roderbruchlandung 2012

Seit Eröffnung des Parcours (tatsächlich nach langer Planungsphase erst 2011) ist das ganze aber zum Glück eine einzige Erfolgsgeschichte! Einmal mit so einem neuen Angebot in der Arbeits-Nachbarschaft (Beispiel Henning) oder Wohnhaus-Nachbarschaft „konfrontiert“, entdeckten viele das Spiel für sich, die zuvor noch keinen anderen Kontakt zum Frisbeesport hatten. Die Community (damals u.a. Andre a.k.a. Schröder, Maik, Mave, Bernd) wuchs damit stetig und das tut sie bis heute. Zudem bekam die Community 2011 Zuwachs von Niko Tsouloukidse (der zum Studieren nach Hannover zog), einem absoluten Spitzenspieler und Mitglied des deutschen Nationalteams. Sowas zu haben freut einen als Local doch immer.

Dank der Turnier-Orga-Vorerfahrung einiger „zweigleisiger“ Ultimate-Funaten (Dennis, Wiebke, Matthias) gab es 2012 das erste Spaßturnier im Roderbruch, die „Roderbruchlandung“ (mit Andre als Sieger, der damals noch deutlich lauter war als jetzt).
Seitdem ging es Schlag auf Schlag: Die jährlichen Expo Open, 2015 erstmals ein GT-C-Turnier im Grünzug Roderbruch (Telemax Open mit TD Miti), hier und da special events wie Ace Race und Cold Turkey. Und die Spiritcamps 2013 und 2015 waren sowieso Events, wenn auch weit außerhalb Hannovers, die die Funaten mit großer Resonanz mit an den Start gebracht haben (siehe auch Vereins-Chronik).

Discgolf-Tour Region Hannover

Discgolf-Tour Region Hannover

Herausragende Bedeutung hatte die Discgolf-Tour Region Hannover 2014, bei der wir in sechs Kommunen der Region Hannover eintägige Workshops inklusive Spaßturnieren anboten. Ein Riesenaufwand, aber „spread the word“ war es wert. Zudem konnten wir, unterstützt von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung und dem LandesSportBund Niedersachsen, uns in diesem Rahmen einen mobilen Parcours und sogar einen Anhänger im Wert von vielen Tausend Euro anschaffen – das Rückgrat unserer Vereins-Discgolf-Infrastruktur. 2015 und 2016 wurde diese Veranstaltung in ähnlicher Form im Rahmen der Reihe „Gartenregion Hannover“ fortgeführt, federführend von Bernd Rohn und Nicole Borges organisiert. So versuchen die Funaten auch weiterhin aktiv, Menschen in und um Hannover mit dem Discgolf-Virus zu infizieren.

Mit Etablierung des Roderbruch-Parcours stieß auch ein weiterer sehr umtriebiger Mensch zu den Funaten: Mave. Discgolf war sein Ding und Thema (u.a. als Expo Open-TD) und schnell hatte er es sich zum Ziel gemacht, auch in seinem Stadtteil, dem Sahlkamp, einen Discgolf-Parcours zu errichten. Er verschrieb sich dieser Sache mit Haut und Haaren und trommelte jahrelang (tatsächlich!) in Politik und Gemeinde für einen Parcours am Märchensee. Und 2014 war es dann soweit: Seit Oktober 2014 hat Hannover einen zweiten permanenten Discgolf-Parcours (mit 9 Körben) im Grünzug Vahrenheide. Den kann man quasi als Maves Lebenswerk sehen… Leider bleibt Mave wegen Beruf und Familie im Moment selbst nicht so viel Zeit, die Früchte seiner Arbeit zu genießen…

Funaten-Gruppenfoto Telemax Open 2015

Funaten-Gruppenfoto Telemax Open 2015

Aber die Discgolfer-Gemeinde innerhalb der Funaten wächst weiter, nur gibt es 2016 leider kein reguläres Trainingsangebot, da sich kein Trainer fand. Für 2014 und 2015 gehen die Trainer-Credits und das Danke dafür an Henning sowie Maik unterstützt von Miti.
Immerhin haben Dennis und Wiebke im Jahr 2015 ein monatliches Spaßturnier im Roderbruch etabliert. Der Name „Roderbruchlandung“ dafür wurde vom ersten Roderbruch-Spaßturnier anno 2012 übernommen. So gibt es mindestens einmal im Monat die (je nach Wetterlage gut besuchte) Gelegenheit, eifrig gegen Vereinskollegen um Ruhm, Ehre, sprich Bagtags, zu fighten.

Sportlich aktiv sind die nunmehr 40 Discgolf-Funaten allemal: bei eigentlich jedem Turnier sind irgendwelche Funaten dabei, im äußersten Süden (Hesselbach) mal 5, bei Heimturnieren wie den Telemax Open auch mal 16 Leute. Bei vielen Turnieren im Umkreis von 100 km sind wir öfter mal der Verein, der die meisten Teilnehmer stellt. Spitzenplatzierungen springen auch ab und an heraus, Niko zählt immer noch zum Nationalteam und Wiebke Becker steht – da ist sich Discgolf-Deutschland wohl einig – mit an der Spitze der deutschen Discgolf-Frauen! Die gute Frau lässt inzwischen bei eigentlich allen Turnieren die Mehrheit des Open-Feldes hinter sich, Respekt, und bei der nationalen Damen-Konkurrenz sind ihre zweiten Plätze handverlesen (weil sonst gewinnt sie ja).

Innerhalb weniger Jahre seit der „Wiedergeburt“ haben die Funaten im Discgolf-Bereich so viel an den Start gebracht wie andere in Jahrzehnten. Das macht Bock auf mehr!